Kommentar zur Stimmung in der russischen Comunity in Deutschland
Die Nacht auf den 24.02.2022 – Die ganze Welt wird Zeuge von grausamen Geschehnissen im Osten Europas: ein vermeintlich friedlicher Kontinent. Dennoch beginnt in dieser Nacht der erste Angriffskrieg in Europa, seit dem zweiten Weltkrieg. Die deutsche Bevölkerung ist zum einen schockiert, zum anderen verunsichert, denn dieser Krieg findet nicht mehr in Ländern wie Syrien, Irak, Jemen, Libyen oder Palästina statt, welche uns so weit weg schienen und uns wenig betroffen haben, sondern in direkter Nachbarschaft.
Wie ist aber die Stimmung in der russischen Community in Deutschland?
Gibt es eine Art Einheitsmeinung unter den Deutschrussen zu diesem Thema?
Wo damals noch der negative Fokus auf Deutsch - Türken, Syrern und Irakern lag, so liegt er heute bei
„dem Russen“ aus der Nachbarschaft, denn eventuell hat er eine antidemokratische Haltung und ist
ein Sympathisant Putins und seiner Politik? Wenn man aber den Äußerungen der Deutschrussen
über den russischen Angriffskrieg in den sozialen Netzwerken und im Bekanntenkreis Glauben schenkt,
so lässt sich eine Sache deutlich feststellen: Die Meinungen sind sehr unterschiedlich und die Community ist sehr gespalten. Das eine Lager ist sehr enttäuscht über die aktuelle Situation und distanziert sich ausdrücklich von Krieg.
Zu diesen Menschen gehören meistens diejenigen, die ohnehin schon die politische Situation in Osteuropa
kritisiert und abgelehnt haben, dennoch hätten diesen Schachzug von der Kreml - Regierung nicht erwartet und hätten ihre Hand dafür ins Feuer gelegt, dass Russland sich nicht in die Aggressor - Rolle versetzt.
Die Lage hat sich zwar die letzten Monate und Jahre etwas zugespitzt, dennoch waren Russen und Ukrainer vor dem Sturz der pro-russischen Regierung im Jahre 2014 so gut wie gar nicht zerstritten, geschweige denn verfeindet. Ganz im Gegenteil, es waren Brüdervölker, welche eine lange Geschichte miteinander hatten und
deren Ursprung in einem ehemals gemeinsamen ost-slawischen Staat lag, welchen es noch lange vor der Gründung der Sowjetunion gab.
Das andere Lager wiederum befürwortet Putins Aktionen und steht mit Leib und Seele dahinter. Meistens sind es Menschen, die entweder selbst noch in der ehemaligen UdSSR geboren und aufgewachsen sind, oder mit post-sowjetischemGedankengut indoktriniert worden sind und somit Krieg und Gewalt oft als Lösung oder zumindest Problembekämpfung sehen. Einige Männer, welche aus der ehemaligen UdSSR kommen, haben selbst in Afghanistan für die sowjetische Armee in der 1970er und 80er Jahren gekämpft und sehen somit Krieg als ein Weg um die eigenen Interessen durchzusetzen.
Man merkt: Die Vergangenheit und Lebensverhältnisse prägen die Menschen und beeinflussen somit die Meinungsbildung. Und somit lässt die komplexe Sachlage, bedingt durch einen großen historischen Kontext und der Mangel an tatsächlich objektiven Medien viel Platz für Konflikte, die aufgrund der großen Meinungsunterschiede oft untereinander nicht gelöst werden können und damit die russische Community in Deutschland spalten. Schlussendlich lässt sich sagen, dass Krieg immer der falsche Lösungsansatz ist – unabhängig davon, welche Meinung man vertritt. Das Einzige, was wir als Unionsbürger tun können, ist Menschen für Krieg und Gewalt zu sensibilisieren und sie mehr in unsere Gesellschaft zu integrieren und somit Radikalisierung verhindern.
A.K.