Interview mit Herrn Barz zum Ukraine-Thema an unserer Schulen

Das Thema Ukraine und der dort herrschende Krieg ist auch für uns Schüler:innen greifbar und nimmt uns mit, da Jugendliche von dort an unserer Schule sind. Aus diesem Grund habe ich mich mit Herrn Barz, unserem Direktor, unterhalten und ihm ein paar Fragen gestellt.

Guten Morgen, Herr Barz.

Wie Sie wissen, bin ich hier um Ihnen für die Schülerzeitung „Der Fasan“ ein paar Fragen zur Ukraine Lage an unserer Schule zu stellen. Sie haben vor ein paar Wochen eine Durchsage gemacht, wo Sie einen Satz auf Russisch gesagt haben. Was bedeutet er und woher können Sie russisch?

Hallo.

Ich weiß den Satz noch, aber ich habe nicht mehr den genauen Wortlaut des deutschen Textes im Kopf. Der Satz bedeutete genau das gleiche was der deutsche Satz unmittelbar vorher auch ausgesagt hat. Sinngemäß: wir wissen, dass ihr auch keinen Krieg wollt. Russisch kann ich, weil ich nicht in Bayern zur Schule gegangen bin als Kind, sondern in Leipzig. Wir mussten von der 5. Klasse an russisch lernen, ich kann aber weniger als man dann glaubt.

Es war aber sehr eindrucksvoll es zu hören. Wie viele Schüler:innen kann und will unsere Schule eigentlich aufnehmen?

Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Der rechtliche Status der ukrainischen Schüler:innen ist momentan so, dass sie 90 Tage nach Einreise nicht schulpflichtig sind. Alle, die jetzt gerade hier sind, sind freiwillig hier in sogenannten Willkommensgruppen. Nach den 90 Tagen entscheidet sich dann, wo sie richtig zur Schule gehen und in Aschaffenburg ist es so organisiert, dass die Willkommensgruppen nach Alter sortiert sind – wir haben die älteren an unserer Schule – und momentan sind es maximal 19.

Sie haben gerade perfekt auf die nächste Frage übergeleitet. Wie alt sind denn die Schüler:innen, die jetzt hier sind?

Der Jüngste bei uns ist jetzt 14, der aber nur hier ist, weil sein älterer Bruder auch bei uns ist und die Familie das gerne wollte.

Verständlich. Werden die Schüler:innen noch eine eigene Klasse bekommen, wenn es dann endgültig ist?

Sie bekommen momentan viel Deutschunterricht und wir müssen dann schauen, wie gut deren Deutsch ist. Eine eigene Klasse werden sie aber nicht bekommen, wenn müssen sie irgendwo in den normalen Betrieb. Da ist aber auch das Kultusministerium gerade dabei zu überlegen, wie sie das gut regeln können. […] Die große Zahl der Familien möchte auch so schnell wie möglich wieder zurück.

Wird der Kontakt zu den Lehrern in der Ukraine gehalten?

Sehr unterschiedlich. Manche haben fast den ganzen Vormittag online Beschulung. Es ist wirklich so, dass die Lehrer teilweise in den Bunkern gesessen haben oder sitzen und daraus den Unterricht gemacht haben. Manche haben also fast durchgängig online Beschulung, andere gar nicht.

Wie sind die Schüler:innen an unsere Schule gekommen? Wurden sie von der Stadt verteilt oder musste sich die Schule irgendwie bewerben?

In der Stadt Aschaffenburg gibt es eine sogenannte Steuergruppe […], die sich um die Verteilung der Kinder kümmert. In dieser Gruppe werden erstmal alle gesammelt, die auf Schulen gehen möchten und dann werden sie auf die Schulen verteilt. […] In Aschaffenburg eben nach Alter sortiert.

Wie ist es hier mit den Lehrern, die die Schüler:innen unterrichten?

Ich habe vor den Ferien an die Eltern geschrieben, dass wir Unterstützung suchen. […] Es war eine Mutter, die gesagt hat, dass sie es auch ganz übernehmen könnte. Sie spricht russisch und hat auch Erfahrungen im Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache. Sie ist jetzt Kollegin, unterrichtet und ist den ganzen Tag mit den ukrainischen Flüchtlingen zusammen.

Was hat Sie als Direktor motiviert diese Schüler:innen hier an unserer Schule aufzunehmen?

Ich brauche da keine extra Motivation. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, wenn die Familien aus einem Kriegsgebiet flüchten, egal ob aus der Ukraine oder vor ein paar Jahren aus Syrien […]. Für mich ist es ein Gebot der Menschlichkeit dann zu helfen […]. In meinen Augen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie Anschluss an andere Jugendliche bekommen und die Sprache lernen, weil das wahnsinnig wichtig ist.

Was haben Sie sich überlegt was das Thema Integration betrifft und wie die Jugendlichen Kontakt zu den Schüler:innen an der Schule bekommen?

Das ist interessant, dass du das fragst […]. Es gibt viele Kolleg:innen, die da auch unterstützen wollen und die ukrainischen Schüler:innen auch im Unterricht begrüßen würden. Das wird auch nach und nach passieren, vor allem in Fächern, wo man nicht so viele deutsche Sprachkenntnisse braucht, z.B. Kunst, Sport […]. Man merkt den ukrainischen Schüler:innen schon noch an, dass sie sehr damit beschäftigt sind das Erlebte zu verarbeiten. […] In Gesprächen mit den Schüler:innen habe ich auch schon gemerkt, dass das Englisch von der Qualität sehr unterschiedlich ist, weshalb wir schauen müssen ob sie mit unserem Schulenglisch mitkommen.

Inwieweit ist es und Schüler:innen und den Lehrer:innen möglich Unterstützung zu leisten?

[…] Es ist komplex, da ihr auch eigene Aufgaben habt und wir müssen schauen wie es funktioniert. Ich kann es noch nicht genau sagen.

Möchten Sie noch etwas ohne Frage anmerken?

Ich finde es super, dass das Thema bei euch eine Rolle spielt und dass ihr das auch aufnehmt. Ich habe auch in der Schülerschaft viel Hilfsbereitschaft wahrgenommen und ich hoffe, dass das nicht nur eine Art Strohfeuer ist, sondern dass uns bewusst ist, dass wir noch länger unterstützen müssen und wir einen langen Atem brauchen. Es ist mir wichtig, dass die Hilfsbereitschaft, die am Kronberg eigentlich immer da ist, bestehen bleibt.

Danke für Ihre Zeit.

Gerne.

A.D.

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